Ich bin ein Quartalstänzer – viermal im Jahr Geburtstag feiern

Wer im fortgeschrittenen Alter ausgehen und tanzen möchte, hat so seine Probleme. Nicht nur in unserer Stadt, hier aber vielleicht verschärft. „Ausgehen in Duisburg – die vier guten Locations“ wäre wahrscheinlich kein Bestseller, aber es wäre zu leicht, Duisburg als Stadt zu bashen, neudeutsch formuliert. Häme und Mitleid kennen wir zur Genüge, so eine hässliche Stadt, fast alle arbeitslos, ach ja, die Love Parade und jetzt auch noch Marxloh und die Rumänen und Bulgaren.
Eine ganze Stadt umzubauen, die von Stahl und Kohle geprägt war und nun eine moderne Metropole sein soll, ist nun leider schwierig. Wenn es überhaupt funktionieren kann, braucht es sehr viel Geld und noch mehr Zeit. Die Stadt müht sich an diesem großen Thema und verdient daher sicher auch unseren Respekt. Also lassen wir das, wir wollten ja sowieso tanzen gehen.

Ausgehen, aber bitte nicht noch eine Ü40-Party

Das viel größere Problem besteht darin, dass alle anderen im Club Dich anstarren, denn Du bist alt. Begleitest Du Deine Kinder oder gar Enkel? Oder willst Du sie abholen?
Mit den anderen zu tanzen geht überhaupt nicht, das Feixen und Lachen kannst Du nicht ignorieren, es ist schlimm, es macht keinen Spaß, es geht einfach nicht. Es ist schon viele Jahre her, das Grammatikoff hieß noch Hundertmeister, als dies bei der Soul Connection überdeutlich wurde. Es war der Hinweis, dass wir etwas tun mussten, wenn wir weiterhin ausgehen und nicht für immer zu Hause bleiben wollten.
Aber wo willst Du hingehen? Jede Unterführung der Stadt ist übersät mit Ankündigungsplakaten für ungezählte Ü30, 40, 50-Partys. Die größten Hits der 80er und 90er und das Beste von heute. Eine Legion von Radiosendern bestreitet ihr Programm mit den hausbackenen Langweilern dieser Epoche, man kennt sie nur aus dem Autoradio auf langen Fahrten, egal in welche Richtung. „It´s raining men“ in Dauerschleife – in meiner Vorstellung ein wesentlicher Bestandteil der Hölle. Wir haben das damals nicht gehört und wollen es auch jetzt nicht hören. Um bei der Wahrheit zu bleiben, muss ich gestehen, dass ich noch nie auf einer Ü40-Party war. Ich stelle mir vor, dass es dort sehr langweilig ist, dass die „Partygäste“ Spießer sind, bei den Hits mitsingen und als Paare tanzen. Was? Das stimmt so auch?

Musik ist zu wichtig

Ob eine Party gut oder schlecht ist, hängt für mich fast immer von der Musik ab, die dort läuft. Musik ist nicht Hintergrund, sie gehört in den Vordergrund, sie bewegt Menschen, sie spricht mit Dir, sie ist eine treue Freundin. Was sollen wir also tun? Das eine geht nicht und das andere auch nicht, wir brauchen etwas Neues. Es gibt in Duisburg gute Beispiele dafür, dass Eigeninitiative belohnt wird. Kleine Projekte, liebevolle Locations, Orte und Veranstaltungen, die mit Enthusiasmus geplant wurden und wo wir uns wiederfinden. „Onkel Stereo“, „33 1/3“, „Simply Coffee“ und „Mimi e Rosa“ sind für viele von uns Wohlfühl-Orte geworden. Es gibt viele andere Beispiele und man sollte sie auch nennen, dafür gibt es hier eine eigene Rubrik Lokales.
So ist dann der Quartalstänzer entstanden, aus Zufall und Notwendigkeit. Wir haben meinen runden Geburtstag beim Hübi gefeiert, es waren nur nette Menschen dort, die Musik war toll, es lief nur, was ich hören wollte, es war ein sehr schöner Abend. Und so etwas wollten wir dann als regelmäßige Veranstaltung, Nicht jeden Monat, wir haben ja alle immer so viel vor, außerdem sind die Abende sehr anstrengend, und unser Alter fordert hohen Tribut. Viermal im Jahr, einmal im Quartal. Der Hübi war sofort dabei, fand den Versuch lohnend. Ok, so machen wir das!

Und – welche Musik läuft denn nun?

Der erste Abend stand im Zeichen von House, wir wollten uns in erster Linie zur Musik unserer Tage bewegen. Das fanden aber viele Besucher nicht tanzbar und sie hatten an dem Abend nicht so richtig Spaß.

Die nächsten Runden standen dann jeweils unter einem Motto, mal Ska, mal Rock, mal Soul. Es stellte sich aber schnell heraus, dass eine Mischung aus verschiedenen Stilen am besten ankommt. Wenn wir es schon schaffen und mal wieder ausgehen, wollen wir Spaß und keine Dogmen.  Also geben sich jetzt die Specials und Human League und Curtis Mayfield die Klinke in die Hand, und dann folgen Iggy Pop und die Sex Pistols. Vielleicht setzten wir in Zukunft wieder etwas mehr auf neue Musik, es kommen jede Woche sehr gute Sachen auf den Markt. Schaut doch einfach in unseren Playlists, den Lieblingslisten und unter unserer Rubrik Neue Platten nach, was gerade angesagt ist. Und klar, Eure Vorschläge und Plattenwünsche nehmen die DJs gerne an. Vielleicht….

 

Musik ist einfach eine gute Sache. Wer das auch findet, hört sich am Ende vielleicht was von The Specials an.

 

 

 

 

 


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