Kult-Kneipe, Szene, Pilsken – Feiern beim Hübi

Ein gutes Maß Vorsicht ist angebracht, wenn etwas Kult sein soll – Kult-Hits, Kult-Fußballer, Kult-was-auch-immer. Die Inflation könnte man sicherlich sehr gut am Begriff Kult erklären.Und jetzt auch noch  „Zum Hübi“?
Die Lage der Kneipe ist großartig: Wenn man erst einmal die steile Treppe erklommen hat, bietet sich aus den großen Fenstern ein Blick auf die Uferpromenade, über Museumsschiffe, Rheinorange, den Pegel, Schiffe ziehen vorbei.

Besucher von außerhalb staunen nicht schlecht, vermutet man doch schnell, dass es in einer Hafenkneipe dunkel und verraucht sein muss, und man nur durch den Blick auf die Uhr feststellen kann, ob es draußen dunkel oder hell ist. Im Sommer, bei schönem Wetter, sitzen wir draußen, auf der Promenade, und schauen uns das vorbei schlendernde Volk an oder gucken, welche Container-Schiffe gerade passieren. Plätze sind rar, und obwohl der Hübi noch mehr Bänke und Tische im Laufe der Zeit herangeschleppt hat, bleibt einem oft nichts anderes übrig, als sich zu anderen Menschen an den Tisch zu gesellen. Egal, viele kennt man sowieso oder lernt sie eben jetzt kennen. Und dann erst einmal ein Pilsken.

Ruhrort – Szenetreff in entspannter Atmosphäre

Wir befinden uns im Hafenstadtteil Ruhrort, hier mündet die Ruhr in den Rhein bei besagtem Wahrzeichen Rheinorange, und es gibt hier eine eigene Szene von Kreativen, Künstlern und Kulturschaffenden.

Aber natürlich sind wir nicht am Borough Market in London oder in Soho in New York, so dass es auch die alteingesessenen Bewohner noch gibt, die in den weniger schönen Seitenstraßen leben, wo die Häuser nicht im Jugendstil gebaut sind, sondern klein und hässlich scheinen. Es gibt leider zu wenige Geschäfte, von den Fachgeschäfte rund um den Ruhrorter Markt sind viele geschlossen, es gibt immerhin einen Discounter. Auf dem Weg zurück zur Uferpromenade machen wir aber noch einen Abstecher zum ehemaligen Cafe Kaldi, das heute wie ganz früher mal Zum Anker heißt und wo es tolles Eis und leckeres Essen gibt.

Wir gehen an der Horst-Schimanski-Gasse vorbei, die den Namen Schimmi-Gasse nicht tragen darf, aber natürlich von jedem so genannt wird, um den berühmtesten Sohn Ruhrorts zu feiern, der aber gar keiner ist. Und stehen wieder vor dem Hübi. Und dann erst mal ein Pilsken.

Feiern beim Hübi

Das Schwierigste daran, beim Hübi zu feiern, sind die Organisation und die Absprache. Einen Termin zu finden, ist nicht so einfach. Seitdem der Status Kult-Kneipe etabliert ist, ist die Liste  der feierwütigen Interessenten lang. Geburtstage, Firmenjubiläen, selbst Hochzeitsfeiern finden hier statt, daneben die Lesungen, der Hafenjam, die Konzerte und dann noch der normale Kneipenbetrieb. Und den Quartalstänzer müssen wir auch noch unterbringen. Und auch, wenn der Termin vereinbart ist, heißt das noch lange nicht, dass es dabei bleiben wird. Aber danach ist alles ganz einfach.

Bei der Planung meiner Geburtstagsfeier haben wir am Montag vor der Feier, die am Samstag stattfinden sollte, noch einen Termin beim Hübi gemacht, um kurz zu besprechen, ob „alles klar“ sei. „Ach ja, der Geburtstag. Wann war das noch mal? Am Freitag, oder?“ Man darf sich dadurch nicht schockieren lassen, auch nicht, wenn der Chef „noch was zum Schreiben“ holt und mit einem gelben Post-It-Zettel in der kleinsten Größe zurückkommt. Es gab eh nicht viel, was nicht sowieso in die Kategorie „alles klar“ fällt. Zur Sicherheit erst mal ein Pilsken. Und natürlich war es dann eine tolle Feier, der Mann ist eben ein Profi. Darauf erst mal ein Pilsken

 

Come as you are – Schickimicki ist nicht

Niemand muss sich für den Quartalstänzer in Schale schmeißen. Du musst nicht Deine coolen Band-T-Shirts aus dem Schrank holen, die Du im Büro nicht anziehen kannst.  Kannst Du natürlich machen, aber es interessiert die Leute hier nicht. Kariertes Hemd, Rüschenbluse, Trainingsjacke, ganz wie Du willst – solange Du nicht im Schalke- oder Düsseldorf-Trikot erscheinst, ist erlaubt, was gefällt oder auch nicht gefällt. Es ist Feizeit, wir müssen und nicht präsentieren, wir posen nicht. Es sei denn, das ist, was Du machen möchtest, dann steht es Dir natürlich frei.

Mittlerweile hat sich der Quartalstänzer etabliert, ist gut besucht, meist sogar voll. Viele Besucher kommen von weiter weg, aus der Innenstadt, aus Duissern und Neudorf, sogar aus anderen Städten, hörte ich.

Der Anfang war schwierig, aber der Hübi war stets gelassen genug, das auszuhalten. Ich kann auch nicht sagen, was dort an einem Samstagabend los ist, wenn gar keine Veranstaltung ist. Stammgäste, bisschen Musik, Absacker nach irgendwas anderem, die Runde mit dem Hund endet hier oder beginnt und endet hier. Weiß ich nicht, ich wohne nicht in Ruhrort. Oft genug finden wir das schade, ist doch irgendwie gut hier. Darauf ein Pilsken.

Viele Leute kennen sich nun untereinander, freuen sich, die anderen zu sehen und ein bisschen herumzuspringen. Es gibt großartige Tänzer und solche wie mich  („Pass auf Deine Ellbogen auf“), aber auch das macht nichts. Jeder wie er kann.

Dirk ist ein guter und routinierter Gastgeber, den aus der Ruhe zu bringen sicherlich sehr schwierig wäre. Manchmal wirkt er etwas schlechter gelaunt, aber ich weiß nicht, ob das stimmt, er behauptet, das sei er nicht. Und wenn, mit einem Pilsken ist man darüber hinweg.

Kommt feiern, hier geht das gut!

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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